Die X Games in München?
Im Interview: Frank SeippDie X Games sind für einen Actionsportler das Nonplusultra, das höchste, was er erreichen kann. Gold in den X Games ist wie Gold in den Olympischen Spielen. Seit 1994 werden die X Games vom US-Sportfernsehsender ESPN ausgetragen. Frank Seipp war Leiter der Bewerbung des Münchner Olympiaparks für die Summer X Games 2013 – 2015, die dann erstmalig neben Los Angeles in zwei weiteren Städten in selbstständigen Turnieren ausgetragen werden sollen.
Seipp ist Geschäftsführer der S&K Marketing GmbH, die zusammen mit dem Olympiapark die Bewerbung erstellt hat. Ende April, Kurz vor der Bekanntgabe der Sieger des Bewerbungsverfahrens, hatte ich die Gelegenheit, ihn zu interviewen. Er begegnet mir sehr offen, was eigentlich schon klar war, als er sich bereit erklärte, uns ein Interview zu geben. Zu Beginn unseres Gesprächs im Büro von S&K Marketing im Olympiastadion wundert er sich darüber, dass er schon 44 ist.
Bunker Blatt’l: Wie stehen Sie persönlich zu Actionsportarten wie Skateboarden, BMX und Motocross (Disziplinen bei den X Games)?
Frank Seipp: Ich habe eigentlich eine sehr positive Einstellung, weil ich zwar schon 44 bin, aber noch so in einer körperlichen Verfassung, dass ich sehr Sport-affin bin. Ich komme auch aus dem Bereich des Sports, habe das studiert. Früher als Jugendlicher oder als Kind bin ich selbst Skateboard gefahren. Ich mache jetzt die etwas einfacheren Sachen wie Skifahren, Kitesurfen, oder Wellenreiten, aber habe da immer noch eine sehr, sehr große Affinität, insbesondere zum Skateboarden. Durch meine jetzigen Sportarten habe ich einfach ein Grundinteresse an jeglicher Art von Actionsport.
Wie lange ist S&K Marketing schon Partner des Olympiaparks?
Wir arbeiten schon seit 1991 für den Olympiapark in verschiedensten Projekten und haben da bisher sehr erfolgreich und angenehm zusammengearbeitet.
Und Sie sind seit dem auch schon mit dabei?
Ich bin etwas später dazugekommen, ich bin seit 1994 mit dabei.
Wie ist es dazu gekommen, dass sich der Olympiapark überhaupt für die X Games beworben hat?
Die Historie war so, dass letztes Jahr im Spätsommer die Kollegen von ESPN – die sind ja die Rechteinhaber oder Erfinder der X Games – auf die Stadt München zugegangen sind und dieser ihr Expansionsprogramm vorgestellt haben. Sie würden sich jetzt mit diesem Event globalisieren wollen und ob München Interesse an einer Austragung hätte. Die Stadt hat dies positiv bewertet und hat den zu 100 Prozent städtischen Olympiapark als Münchens Sportzentrum gefragt, ob dieser sich im Namen der Stadt bewerben will. Der Olympiapark hat ein Grundinteresse an jeglicher Art von Großveranstaltungen und der Olympiapark lebt davon, – seit 40 Jahren jetzt dieses Jahr – dass hier große internationale Sportveranstaltungen auch stattfinden und da gehören die X Games dazu. Deswegen war es für den Olympiapark selbstverständlich, sich auch dafür zu interessieren und nachdem man die Unterlagen gesichtet und geprüft hat auch zu sagen, da haben wir eine Chance, das passt zum Olympiapark und da bewerben wir uns. Jetzt bemühen wir uns seit August/September letzten Jahres, sind das ganze Biding-Verfahren durchlaufen und stehen jetzt 2 Tage vor dem Ende, die Verträge sind dann alle verhandelt, alle Rahmenbedingungen gesteckt und dann liegt es an ESPN zu entscheiden, wer ihre Partner für die Zukunft sind.
Was waren denn letztendlich die ausschlaggebenden Gründe für eine Kandidatur?
Einmal lebt der Olympiapark, wie gesagt, von Großveranstaltungen. Zum anderen ist es natürlich auch für den Olympiapark ein attraktiver Event, wo man sich auch ein bisschen präsentieren kann, einer Weltöffentlichkeit, und kann sagen, schaut her, den Olympiapark München gibt es noch, der lebt wie vor 40 Jahren, da ist etwas los, da treiben sich wieder, 40 Jahre später, junge Leute rum – bisschen andere Sportarten, aber die Grundidee ist erhalten geblieben. Das war auch die Vision, die wir hier mit den X Games haben, dass wir sagen, wir haben dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum im Olympiapark 2012 – exakt vor 40 Jahren haben die Olympischen Spiele hier stattgefunden – und die Vision, die unsere Vorgänger hier hatten zu der damaligen Zeit, die könnte mit den X Games wieder aufleben. Eben, dass man hier zentrale Sportstätten hat, also alle Disziplinen der X Games könnten an einem Ort stattfinden, alle Leute können hier herkommen, flanieren, sich einfach dieser Stimmung hingeben, der Atmosphäre hingeben und dann noch den Spitzensport sehen und in einer Weiterentwicklung, jetzt machen sie nicht mehr Speerwerfen und 100-Meter-Sprint, sondern jetzt ist Skateboard, BMX, Freestyle-Motocross, Mountainbike – was auch immer da noch kommt – State of the Art sozusagen, und das fanden wir halt spannend, diese Mischung und diese Fortführung der Geschichte. Einerseits sagt man immer, es ist spießig so zurück zu blicken, aber ich glaube, unsere, also selbst meine Generation hat das ja nicht mehr so richtig live miterlebt, die Olympischen Spiele, aber was man so gehört hat, war das eine wirklich coole Zeit, eine coole Party hier. Jetzt könnte man die, auf etwas andere Dimensionen, aber man könnte sie 40 Jahre später in modernen, zeitgemäßen Sportarten wiederholen, mit einem völlig neuen Klientel, Menschen, die ganz anders drauf sind als vor 40 Jahren, aber letztendlich die gleiche Idee haben: Gerade in den Sportarten gute Show zu zeigen, guten Sport, gute Tricks und hier zusammen zu kommen. Das war die Vision und die Idee, die wir dann auch so in Amerika präsentiert haben.
Der Olympiapark hat mit der Austragung von Wintersportevents bereits vielseitige Erfahrung, wenn man nur an den Air & Style Contest, Red Bull Crashed Ice und den FIS Ski Weltcup am Olympiaberg denkt. War es jemals Thema, ob vielleicht die Winter X Games in München ausgerichtet werden?
ESPN war es glaube ich gar nicht bewusst, dass wir auch, sag ich mal, reichhaltige Wintersporterfahrung im Olympiapark haben, da ging es eigentlich von Anfang an um die Summer X Games, weil auch wir hier im Olympiapark – obwohl wir doch schon den ein oder anderen Snowboard- oder Ski-Alpin-Event schon gemacht haben – aber die vollen Winter X Games mit einer Super Pipe und solchen Dingen könnten wir hier nicht darstellen. Das war für uns nie ein Thema bis dato, wir haben uns da von Anfang an auf die Sommerspiele konzentriert.
Trotz Ihrer breiten Erfahrung bei der Ausrichtung von Sportveranstaltungen ist ein Actionsportevent mit den Disziplinen Skateboarden, BMX und Motocross auch für sie etwas Neues. Wie geht man an so etwas heran?
Es war etwas Neues, aber wir haben uns da sehr, sehr intensiv in die Materie eingearbeitet, wir haben viele Berater hinzugezogen und unser Netzwerk ausgenutzt, unsere guten Kontakte, auch zu Red Bull und ähnlichen, die uns dann wieder mit Athleten geholfen haben, und dann haben wir viele, viele Meetings und Gespräche mit Aktiven, mit Athleten gemacht. Wir haben uns dann die X Games in L.A. angeschaut letztes Jahr noch. In dem Bewerbungsverfahren ging es auch schwerpunktmäßig um eine Vision die man hat, jetzt gar noch nicht so um technische ganz, ganz große Feinheiten. Aber aufgrund unseres Erfahrungsschatzes können wir eigentlich uns sehr schnell in so eine Veranstaltungsthematik einarbeiten. Ob die dann am Ende mit Skateboarden, Skifahren oder Snowboarden zu tun hat, das ist dann gar nicht so entscheidend, da spielen dann die Rahmenbedingungen, auch die logistischen Rahmenbedingungen in München, die Hotelsituation und solche Dinge, eine große Rolle, und die sind immer gleich, bei jeder großen internationalen Veranstaltung. Der Schwerpunkt war die Vision, die man hat, warum will man X Games, was kann man Besonderes machen mit den X Games hier in München, warum ist München und speziell der Olympiapark so ein toller Ort um so etwas durchzuführen. Da haben wir uns jetzt seit sieben Monaten mit beschäftigt und auch dann ein sehr umfangreiches Bidbook erstellt und bei ESPN abgegeben.
Was zeichnet München gegenüber den anderen Bewerbern (Barcelona, Lissabon, Quintana Roo – Mexiko, Sao Paulo, Rio de Janeiro, Foz do Iguacu – alle drei Brasilien und Santiago) aus?
Es wäre eine tolle Chance für die Sportarten sich hier zu präsentieren. Wir haben ein interessantes Umfeld, auch wenn wir keine Hochburg des Skateboardens sind in München. Aber ich glaube, das Potenzial ist da und wir haben eine geografisch gute Lage – das haben wir beim Air & Style gemerkt –mit der Schweiz, Österreich und immer so diesem näheren Umfeld, wo die Leute auch gerne herkommen. München bietet drum herum sehr viel und wird vielleicht auch ein bisschen unterschätzt in dieser Actionsportszene. Viele sind da, glaube ich, sehr offen diesen Themen gegenüber, kommen vielleicht eher aus dem Wintersportbereich, aber haben eine Affinität auch zu diesen Sportarten. Deswegen glaube ich, sind unsere Chancen durchaus positiv zu werten.
Selbst wenn jetzt München nicht in die Familie der Austragungsstätten aufgenommen werden würde, denke Sie, Sie können trotzdem etwas aus der Bewerbung mitnehmen?
Das glaube ich schon, man lernt ja immer was. Da wir aus dem Sport kommen sind Niederlagen jetzt nichts Neues, auch wenn man sie nicht gerne hat – man verliert nicht gerne, das macht keiner. Aber wir haben wahnsinnig viel gelernt, wir haben auch über die Möglichkeiten erstmal gemerkt, was man hier alles Tolles auf die Beine stellen kann. Wie gesagt, keiner will verlieren, aber es war sicher nicht umsonst, dass man mal so einen Weg wieder gegangen ist. Wir haben uns schon öfter für große internationale Events beworben in der Vergangenheit und mal ist man erfolgreich und mal nicht. Das haben ja gerade erst vor einem Jahr die Kollegen bei der Olympiabewerbung erfahren und wir mit erleiden müssen. Das Risiko ist so und das weiß man vorher, dass man auch verlieren kann.
Welchen Grund hat es, dass die X Games jetzt schon für die Jahre 2013 – 2015 auf einmal vergeben werden?
Das ist ja das Konzept von ESPN, also zu 100 Prozent weiß ich nicht, was deren Beweggründe sind. Wobei jetzt aus der Erfahrung heraus ist es nicht unüblich, da so ein Event nicht so klar definiert ist wie ein jetzt ein Fußballspiel oder so und zum Glück viele Freiheiten lässt, – wie gestaltet man so ein Event, wie macht man das Rahmenprogramm – der ist viel freier und flexibler in der Organisation und da ist es sicherlich sinnvoll, den über einen mittelfristigen Zeitraum anzusetzen, weil man aus jedem Jahr wieder lernt und merkt, vielleicht muss man die Halfpipe-Finals doch eher am Wochenende oder vielleicht in der Nacht ausrichten. Man lernt sehr viel und geht davon aus, dass man natürlich das Produkt optimiert und verbessert mit jedem Jahr. Dann ist es auch ein wirtschaftlicher Grund, es ist so ein Megaevent mit so vielen Investitionen, allein für den Aufbau. Bei einer Fußball-WM braucht man natürlich auch Stadien, klar, aber in der Regel gibt es die oder werden dann für andere Sachen weiterbenutzt, aber hier, wenn man da nur an die Mega Ramp oder an diese Mega Halfpipe denkt, die man für die X Games bräuchte, die muss man Aufbauen für diesen Event und danach wieder abbauen und woanders hin. Also, der Aufwand ist sehr hoch und dann lohnt es sich erst, wenn man das auch mittelfristig über zwei, drei Jahre machen kann, auch für den Veranstalter. Das ist schon ein sehr großer Aufwand.
Wenn die Entscheidung gefallen ist, ist es nur noch ein gutes Jahr bis zu den ersten X Games in den neuen Austragungsstädten. Ist das ein sehr knapper Zeitraum, um ein Projekt dieser Größe dann noch auf die Beine zu stellen?
Es ist in der Tat sehr knapp. Wir hatten gehofft, dass es schon früher entschieden wird, aber es ist wie es ist. Wir glauben mit der Erfahrung die hier im Olympiapark steckt, von 40 Jahren Großveranstaltungsmanagement, dass es machbar ist, aber es ist schon sehr, sehr knapp – aber es ist machbar, absolut.
Haben Sie denn einen Lieblings-Skateboarder?
Nein, so bin ich nicht im Thema. Ich schaue mir natürlich gerne meine Generation mit Tony Hawk an. Jetzt schaue ich mir natürlich die Jungen auch an und hatte das Glück, Shaun White jetzt schon zweimal, allerdings immer nur im Wintersport live zu erleben [Anm. d. Red.: bei den Air & Style Snowboard Contests], und habe ihn noch nie auf dem Skateboard gesehen. Aber es würde mich natürlich interessieren so jemanden mal beim Skateboarden zu sehen. Es ist ja auch eine Ausnahmeerscheinung, dass jemand im Sommer- und Wintersport so eine außergewöhnliche Rolle spielt. Jetzt würde es mich freuen, wenn er nächstes Jahr natürlich noch fährt und ich die Gelegenheit hätte ihn mal auf dem Skateboard zu sehen. Aber sonst genieße ich eher das Skateboarden mit meinen kleinen Kindern und denen das Skateboarden näher zu bringen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Seipp.






